Ab Februar 2011 kann man dieses Buch im Buchhandel bestellen.

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ISBN: 978-3-941026-27-8

BVK, Buchverlag Krefeld, Postfach 101131, D-47711 Krefeld
www.buchverlag-krefeld.de


Leseprobe :

Alfred Busto

CAMIÓN - Ein Greenhorn in Kastilien

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Ein kleines Buch über das Auswandern nach Spanien.

Ein Odenwälder wandert aus nach Zentralspanien, weit weg von Stränden, Parties und Sangria. Um dort einen Job zu bekommen macht er den LKW-Führerschein. Auf humorvolle Weise beschreibt er in dem Buch den Ernst des dortigen Lebens, seine Erlebnisse und Gedanken auf spanischen, französischen, belgischen und deutschen Autobahnen und auch abseits davon.

Wie er in Le Mans eine Brücke rammt oder bei Paris von der Polizei umstellt wird kommt genauso darin vor wie ein Ausflug ins Land der Apfelbäume oder Beschreibungen seiner spanischen Familie. Beim Fahren philosophiert er über das Universum, die Lichtgeschwindigkeit und schwarze Löcher, über Gott, andere Götter und den Rest der Welt.

Also nicht nur ein Buch für Fernfahrer, Romantiker und Weltenbummler, auch Religionsphilosophen und Wissenschaftler haben hier was zu lachen.


Inhalt

Aus den unterstrichenen Kapiteln sind hier einzelne Absätze veröffentlicht.

Vorwort
Dienstag, 20.09.2005 - Von Valladolid ins Baskenland
Mittwoch, 21.09.2005 - Nachts in San Sebastián
Donnerstag, 22.09.2005 - Die 24 Stunden von Le Mans
Freitag, 23.09.2005 - Mit dem DAF in der Bretagne
Samstag, 24.09.2005 - Endlich wieder in Spanien
Sonntag, 25.09.2005 - Zuhause
Montag, 26.09.2005 - Über den Ebro
Dienstag, 27.09.2005 - Hundemüde in La Rochelle
Mittwoch, 28.09.2005 - Schon wieder mit dem DAF in der Bretagne
Donnerstag, 29.09.2005 - Die Eidechsen von Irun
Freitag, 30.09.2005 - Start nach Belgien
Samstag, 01.10.2005 - Paris bei Nacht
Sonntag, 02.10.2005 - Mit Frédéric im Land der Apfelbäume
Montag, 03.10.2005 - Umstellt von 5 Blaulichtern
Dienstag, 04.10.2005 – Beinahe in Neauphle le Château
Mittwoch, 05.10.2005 - Vier Explosionen an einem Tag
Donnerstag, 06.10.2005 - Hasta la Vista und Adiós
Und so ging’s weiter . . .


Vorwort

. . .
Der spanische Arbeitsmarkt sah etwas anders aus als in Deutschland: LKW-Fahren, Fabrikarbeit, Straßenbau und Fischzerlegung waren die einzigen Angebote, die ausreichend zu finden waren.
. . .
Ich fuhr zurück nach Deutschland und bekam kurze Zeit später den neuen Führerschein mit den Worten in die Hand gedrückt: „Jetzt aber nicht überheblich werden, diese Karte ist nur eine Lizenz zum Üben und kein Diplom für Können!“
. . .


Dienstag, 20.09.2005 - Von Valladolid ins Baskenland

Viertel vor neun, hat Carmen gesagt, solle ich da sein. Ich bin da, aber das Büro ist zu, keiner da ?
Fängt ja wieder gut an, als ich gestern Abend hier war, wollte ich eigentlich nur fragen, ob sie noch Fahrer brauchen und wenn ja, so in 1-2 Wochen anfangen.
Aber Carmen, die kurvenreiche, für eine Spanierin unglaublich blonde Nichte von Don Pepito, dem Boss, hat mich tot geredet und in Windeseile einen Arbeitsvertrag unterschreiben lassen und gesagt, ich müsste unbedingt morgen anfangen.
Ich solle allerdings nur einen Hänger nach Madrid fahren und wäre abends wieder zu Hause.
. . .
Im Gegensatz zu Don José, meinem ersten Boss, einem mafiös ausschauenden Schlipsträger mit schwarzer, süddeutscher Luxuslimousine war Don Pepito eher ein hemdsärmeliger Bär mit einem Kopf und einer Stimme wie ein Rottweiler.
Fast zwei Monate hatte ich es bei Don José ausgehalten: Meine erste Fahrt führte mich in 72 Stunden nonstop mit 90 km/h von Valladolid nach Zwickau und zurück.
. . .
Als ich mit diesem alten Sack über eine gewaltige Seine- Brücke bei Le Havre fuhr, bedauerte ich es, nicht am Steuer zu sitzen. Ich stellte mir vor den Camión durch die Brüstung in den weit unter uns liegenden Fluss zu steuern, ans Ufer zu schwimmen und den alten Sack absaufen zu lassen.
Dieser Traum blieb aber ein Traum, ich begnügte mich damit, ihn damit zur Weißglut zu bringen, dass ich in keinster Weise auf seine Provokationen einging und mit stoischer Gelassenheit seine Gemeinheiten ertrug, so, als ob das alles völlig normal wäre.
Nur einmal wurde ich alleine aus der 200 km-Zone herausgeschickt.
Sonntags mittags fuhr ich los mit einer irre schweren Kiste für ein Kernkraftwerk in Ascó unweit von Barcelona.
. . .
Als ich Asturien und Kantabrien hinter mir gelassen hatte und durchs baskische Bilbao fuhr, war ich wieder relativ wach, und ich glaubte sogar, irgendwo da links unten im Dunkel das Guggenheim-Museum zu erkennen, aber das hatte ich schon begriffen: in einem Camión kommst du zwar viel rum, aber nirgends hin, du rauschst überall nur dran vorbei.
Nach San Roman sind es noch schlappe 100 km.
Als ich an Vitoria-Gasteiz vorbeifuhr, Vitoria ist der spanische Name und Gasteiz der baskische, war ich mittlerweile so müde, dass ich schon halluzinierend Personen auf der Fahrbahn sah, aber da ich wundersamerweise noch helle genug war, sie auch als Halluzinationen einzuordnen, machte ich zum Glück keine ruckartigen Ausweichmanöver.
Ich schaffte es noch, die Augen bis zur Ausfahrt San Roman offen zu halten, fuhr gegen 4:00 Uhr in den Hof, parkte, weiß nicht wie, noch rückwärts ein, und fiel wie ein Stein hinter den Sitz in die dort schon ewig auf mich wartende Matratze.


Mittwoch, 21.09.2005 - Nachts in San Sebastián

Gegen 6.00 Uhr hämmerte es an die Tür, es war ein kleiner Katalane, der Loriot oder so ähnlich hieß, er käme gerade aus Barcelona und hätte den Auftrag meinen Hänger so schnell wie möglich nach Beaune bei Dijon zu ziehen. Aha, da ist also dieses Beaune.
. . .
Da das Telefon nicht klingelte, lief ich ein bisschen herum. Als ich zum Ein- und Ausfahrtstor herausspazieren wollte, rief eine Stimme von hinten, wo ich hin wolle und wieso ich keine Warnweste anhätte.
Ich drehte mich um und meinte zu der kleinen Rothaarigen, die aus ihrem Wachthäuschen an den Diesel-Zapfsäulen herausgekommen war, wo sie auch Buch zu führen hatte, welche Fahrzeuge und Personen das Gelände betraten und verließen, dass ich nur mal gegenüber in dem Hotel- Restaurant-Tankstellen-Shop nachsehen wollte, ob es dort Kaffee gäbe.
. . .
Sein Gesicht drückte zwar so etwas wie Mitleid aus, aber eher noch Freude darüber, dass sein Job lediglich darin bestand, zu sitzen und die Schranke auf- und zuzumachen.
Ich hab an der Kurbel gezogen und gedrückt, gekurbelt und dagegen getreten.
Als ich schließlich mit einer als Hammer missbrauchten Zange hier und da mehr oder weniger sanft dagegen gehauen hatte, bewegte sich auf einmal was. Ich konnte es kaum fassen, es klappte jetzt.
. . .
Ich kam jedoch heil über die Grenze und durch die ersten französischen Mautstationen, bis die Autobahn ungefähr auf der Höhe von Biarritz mautfrei wurde und ich das Geschoss rollen lassen konnte.
Obwohl ich Anhalten und Losfahren wegen des Springens möglichst vermeiden wollte, musste ich doch ab und zu eine Kaffeepause machen.
Hinter Bordeaux, wo die Autobahn wieder Geld kostet, musste ich dann auf die Landstrasse runter, die sich aber größtenteils kaum von einer Autobahn unterschied und rollte die ganze Nacht über Angoulême, Poitiers, Tours . . .


Donnerstag, 22.09.2005 - Die 24 Stunden von Le Mans

. . . in Richtung Le Mans, wo ich gegen 10.00 Uhr ankam. Ungefähr 20 km vor der Stadt hielt ich am rechten Rand der N 138 und lief über die Strasse in eine Tankstelle um nach dem Weg zur Avenue Pierre Piffault zu fragen, wo sich eine Firma namens ACI befinden sollte.
. . .
Da der Tunnel ein Rundbogen und recht schmal war, ließ ich erst mal den Gegenverkehr passieren und rollte dann in die Mitte und durch ... und Rumpel, Schepper, Bums, ich dachte, mir fliegt das Dach weg.
Zum Glück blieb ich aber nicht stecken, konnte den Tunnel verlassen und fand nach vielleicht hundert Metern auch eine Haltestelle.
. . .
Jetzt erst mal einen anderen Weg zurück zur Tankstelle suchen, wo ich mein Buch liegen gelassen hatte.
Oh menno, das gibt’s doch nicht, da hatte ich doch tatsächlich ohne Stadtplan mit Hilfe der Frankreichkarte einen Weg gefunden, die Brücke zu vermeiden; jetzt ist dieser wegen Umbau geschlossen.
Fahr ich also mal die nächste Abzweigung in diese Richtung, von da komm ich bestimmt auch irgendwie quer wieder zurück zur Strasse nach Tours.
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Bevor ich einschlief musste ich an ein Gedicht von Erich Kästner denken: „Ein Kubikkilometer genügt!“ In diesem Gedicht hat er ausgerechnet, dass man alle Menschen in eine Kiste packen könnte, die einen Kilometer hoch, lang und breit sei, ein Kubikkilometer.
Das waren damals noch 2 Milliarden Menschen, also für jeden ein halber Kubikmeter. Wenn man etwas enger zusammenrücken würde, also mit etwas Gewalt, könnte man die in näherer Zukunft erwarteten 8 Milliarden da wohl auch hineinstopfen. Aber wir wollen ja nicht so sein, lassen wir jedem einen Kubikmeter, dann würde wir alle in eine Kiste passen, die zwei Kilometer hoch, lang und breit sei, 8 Kubikkilometer.
Da könnten wir dann irgendwo in der Pampa stehen und auf dem Rest des Planeten wäre wieder Ruhe und Frieden. Irgendwo zwischen Mannheim und Frankfurt ans Rheinufer gestellt, würde man diese Kiste aus dem Fenster eines Shuttles kaum zur Kenntnis nehmen, so winzig wäre sie.
Auch alle Autos, die jemals gebaut wurden, könnte man in so eine Kiste packen. Ich nehme ja an, dass bis heute deutlich weniger als 8 Milliarden Autos gebaut wurden, und zusammengequetscht braucht jedes bestimmt auch keinen ganzen Kubikmeter, also würden die auch locker in eine Kiste mit 2 x 2 x 2 Kilometer passen.


Freitag, 23.09.2005 - Mit dem DAF in der Bretagne

. . .
Im Büro war man ziemlich erfreut, zu hören, dass ich startklar war und sie schickten mir postwendend eine SMS mit zwei Ladeadressen, eine in St.Nazaire und eine andere in Nantes, beides nordwestlich von hier.
Ich musste also erst wieder die 40 km zurück nach Le Mans und nicht weiter zurück Richtung spanische Heimat, wie ich zuerst dachte und hoffte.
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Sie wollten weder meinen Führerschein, noch meine Fahrtenschreiberscheiben sehen, sie interessierten sich nur für meine Frachtpapiere und die Ladung.
Da ich aber keine Ladung hatte, hatte ich natürlicherweise auch keine Frachtpapiere, also sollte ich mal hinten aufmachen, damit sie einen Blick reinwerfen könnten.
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Samstag, 24.09.2005 - Endlich wieder in Spanien

. . .
In jedem Tropfen des Bieres ist die ganze Welt, sowie in dem Glas, sowie in dem darunter liegenden Bierdeckel, dem Tisch darunter, der Luft und dem Gebäude darüber, überall, in jedem Atom und jedem Teilchen davon.
Die ganze Welt ... interessant ... Das hieße auch, ich und du, und jeder, und alles, in jedem Fitzelchen jedes Atoms.
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Und wenn wir nun also auf einem Elektron um unsere Sonne kreisen, was zum Beispiel zu einem Molekül gehört, welches sich zum Beispiel im Herzen eines Zebras befände und dieses Zebra im Laufschritt durch die Pampa galoppiert, dann wird doch unser ganzes Sonnensystem in einem Tempo dahingetragen, neben dem sich unsere kleinkarierte Lichtgeschwindigkeit relativ gesehen nicht schneller als der Furz einer Laus ausnimmt.
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Gott wird schon wissen, was er sich hierbei gedacht hat, nicht mein Problem.
Hab ich Gott gesagt?
Dass ist auch so einer, der einem den Schlaf rauben kann.
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Sonntag, 25.09.2005 - Zuhause

Als ich Vormittags aus dem Fenster des 6.ten Stocks auf die Wartungshallen spanischer Eisenbahnzüge schaute, fragte ich mich, wo ich jetzt wohl wäre, wenn es im März 2001 nicht so geregnet hätte.
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Auch der Name der Stadt „Valladolid“, die Herkunft der zwei Engel, sagte mir absolut nichts.
Zuhause im Atlas suchte und fand ich kein „Bajadolid“ und dachte, das müsse aber ein verdammt kleines Nest sein, wenn ich es in keinem Atlas fände.
Aber schnell sollte ich lernen, dass in Valladolid nicht nur am 20.Mai 1506 Christoph Columbus gestorben ist, sondern dass hier auch mal mit Karl V, dem am 24.Februar 1500 in Gent/Belgien geborenen Sohn von Philipp dem Schönen und Johanna der Wahnsinnigen, ein deutscher Kaiser zuhause war, der als Carlos I gleichzeitig als der erste König von Spanien galt und gilt.


Montag, 26.09.2005 - Über den Ebro

Schön an Spanien und den Spaniern ist auch, dass „normalerweise“ kaum jemand vor 9:00 Uhr zu arbeiten beginnt, also nicht solche „Gold im Mund zur Morgenstund“ suchenden Heidelerchen wie bei uns in Deutschland.
Wenn man dann aber wirklich mal früh wach ist, und einen geöffneten Bäcker oder Baumarkt sucht, hat man natürlich Pech gehabt, hier schlafen alle so lange wie in Deutschland nur Künstler, Studenten oder Arbeitslose.
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Da ich in der Werkstatt warten musste, bis ich dran bin, hatte ich sogar Zeit für ein lecker Mittagessen in Schwiegermamas Küche.
Die Zahl der Zutaten ihrer Gerichte ist sehr überschaubar, wie auch die Zahl der verschiedenen Gerichte selbst, aber immer wieder ein glücklich machender Genuss.
Hier wird nicht experimentiert, die Rezepte haben sich seit Generationen wohl kaum verändert.
Bedauerlich konservativ, mag man meinen, aber dafür halt auch sehr stabil und konstant. Wie die Pinienwälder rings herum (anspruchslos wie Kamele) die weder im Winter erfrieren, noch im Sommer vertrocknen.
Wenn ein Kastilier seinen Fuß mal irgendwo hingestellt hat, wo er einigermaßen bequem steht, wird er (oder sie) seinen Fuß dort nicht mehr wegbewegen, bevor man ihn (oder sie) erschießt. Auch wenn um die Ecke das Paradies warten würde.
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Die Finanzierung eines Brunnens zur Bewässerung seines Pinienwäldchens (kaum 2-3m hohe Jungpinien), damit seine selbst gebaute Windmühle (Don Quijote lässt grüssen) zum Einsatz kommen kann, hätte in „modernen“ Gesellschaftskreisen unweigerlich zur Scheidung geführt; aber hier kommt wieder das kastilische Gen zur Geltung, dass trotz allem was passiert, alles so bleibt wie es ist.
Marciano flüchtet sich vor dicker Luft zuhause in seinen Erfinder-, Denker-, Konstruktions-, usw. Schuppen, auf eine seiner Ackerflächen oder das Kartenspiel mit Freunden in eine seiner Stammkneipen, wo er ein gern gesehener Gast ist.
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Als ich wieder bei Pepito ankam, hatte meinen Hänger schon ein Kollege zu Renault gefahren und Carmen begrüßte mich mit den Worten:
„Du fährst jetzt nach Baden, ich glaub das ist in Deutschland.“
Baden?? Baden-Baden kenn ich, aber Baden??
Hab in meinem Atlasregister nachgeschaut und außer einem winzigen Nest bei Bremen kein Baden gefunden.
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Römisch nummeriert sind die sechs Hauptadern, die von Madrid aus sternförmig ans Meer führen, die N I ins baskische San Sebastián, die II ins katalanische Barcelona, die III ins valencianische Valencia, die IV ins andalusische Cádiz, die V bis ins extremadurische Badajoz an der portugiesischen Grenze, von wo es nicht mehr weit ist nach Lissabon, und zu allerletzt die VI nach La Coruña in Galizien.
Alle anderen Strassen haben arabische Nummern.
Auf der N I schließlich in Miranda am Ebro angekommen, bin ich erst mal mehrfach die Hauptstrasse rauf und runter gefahren, bis mir jemand den richtigen Weg zu der von mir gesuchten Fabrik erklärte.
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Dienstag, 27.09.2005 - Hundemüde in La Rochelle

Es hatte die ganze Nacht immer wieder etwas vor sich hingeregnet, aber die Sonne fand im Morgengrauen schnell ein paar Löcher im zerzausten Wolkengetümmel um den ohnehin schon vorhandenen Nebelschwaden noch etwas mehr Dampf zu machen.
Hose an, ein paar Spritzer Wasser in die Augen und auf die Zähne, Haare kämmen, kurz aussteigen zum Pipi machen, wieder einsteigen und los geht’s.
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In der Hotelbar, wo ich meinen bulgarischen Kollegen wiedersah, der ebenfalls für Don Pepito fuhr, nahm ich ein französisches Frühstück, also Kaffee mit Croissant, zu mir.
Er fragte mich auch diesmal, ob ich denn schon mal Geld vom Boss bekommen hätte, aber wie sollte ich, war ja erst eine Woche dabei.
Er klagte, wie lange er schon nichts mehr bekommen hätte, oder doch immer mal wieder ein bisschen was, wenigstens um sein schäbiges Zimmer in Zaragoza zu bezahlen, welches zu sehen er bei diesem Job sowieso nie Zeit hätte.
Aber da er sowieso lieber in seiner Kabine „wohnt“ als in dieser Bruchbude, in der außer Kakerlaken niemand auf ihn wartet, hätte er seinen Mietvertrag schon längst gekündigt, wenn man für einen Arbeitsvertrag nicht auch einen Wohnsitz bräuchte.
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Schon ziemlich müde kurvte ich durch ein zwar beleuchtetes, aber trotzdem schon recht dunkles Viertel auf der Suche nach einem Parkplatz um die Augen zuzumachen.
Vor dem Schlafen fuhr ich noch an einem Schild vorbei, worauf stand, dass auf der weiter führenden N 137 in Richtung A 83 nach Nantes eine Brücke käme, die nur bis 26 t zugelassen sei.
Ich war aber schon zu müde nachzuschauen, was meine Ladung wiegt um sie mit meinem Leergewicht zu addieren, und kroch erst mal in meine Koje.


Mittwoch, 28.09.2005 - Schon wieder in der Bretagne

. . .
Ich fuhr durch ein breites Rolltor in den großen Hof eines Röhrenlagers in einer kleinen Zone Industrielle etwas außerhalb von Baud, wo ich keine Menschenseele sah.
In einer Halle fand ich dann doch jemanden, den ich offensichtlich bei seinem Mittags-Imbiss störte. Er sagte mir, ich solle schon mal meine Seitenwände öffnen, und löffelte in Ruhe sein Schüsselchen leer. Nachdem er den letzten Löffel mit einem Schluck Vin Rouge heruntergespült hatte, erhob er sich und schlurfte zu einem Gabelstapler.
Palette für Palette stapelte er die Rohre nebeneinander in den Hof, während ich einem etwa in halber Reiseflughöhe über uns düsenden Verkehrsflugzeug nachsah.
Weit wird es nicht mehr haben bis zum Ziel, wo gibt es dahinten im bretonischen Zipfel noch einen Flughafen, vielleicht in Brest?
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Es waren wirklich nicht viele Paletten, aber schließlich musste ich anschließend ja noch 130 km nach Nantes Carquefou, wo man mir schon den Rest geben würde.
Außerdem waren meine neuen Paletten schön flach, so dass sie eigentlich nicht umfallen konnten, aber affenschwer.
Ich fuhr zuerst auf der N 166 bis Vannes an der Atlantikküste und dann nahe der Küste die N 165 entlang bis Nantes, wobei ich auch wieder die Vilaine-Brücke mit der schönen Aussicht überquerte.
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Ich dachte nur:
Gott sei Dank, dass ich nicht auf der Strasse schlafen muss.
Wem sonst hätte ich an diesem düsteren Ort danken sollen?
Und bevor ich einschlief kreisten meine Gedanken noch etwas durch mein Buch:
Wenn es einen Gott gibt, und warum sollte es keinen geben, nichts ist unmöglich, dann müsste der ja auch, wie alles andere, in jeder Zelle des Universums stecken.
In jeder Zelle nur ein Stückchen von ihm ?
Nein, wenn ja in jeder Zelle das ganze Universum steckt, also alles, jeder Straßenköter, jeder Altglascontainer, jede Blume auf der Wiese, jeder Haifisch im Ozean, einfach alles, jeder Gedanke, der je gedacht wurde, jeder Schmerz und jede Freude die je gefühlt wurden, dann muss doch auch in jeder Zelle auch Gott als ganzes vorhanden sein.
Und nicht nur einer, für alle Götter ist in jedem Krümel Platz.
Der katholische, der evangelische, der jüdische, der arabische, der indische und der indianische, der chinesische, die griechischen wie die römischen und all die anderen, die heutzutage schon vergessen sind und die, die noch kommen werden, auch.
Und weil der Raum in jeder Zelle unendlich groß für alles mögliche ist, wird der auch nicht halt davor machen, alles Vergangene, Gegenwärtige sowie alles Zukünftige „gleichzeitig“ zu beherbergen.
Als kleiner Knirps hatte ich mir vorgestellt, dass doch das, was für uns ein Tag ist, für eine Ameise vielleicht wie eine Woche und für einen Elefanten wie eine Stunde dauert.
Weil doch das, was uns groß erscheint, für einen Elefanten klein ist und das, was uns klein erscheint, für eine Ameise groß ist.
Ist Zeit vielleicht einfach nur ein Gefühl, was von der eigenen Größe abhängt.
Den rasanten Stoffwechselvorgängen, die sich tagtäglich in unserem Körper abspielen, wo in Sekunden und Minuten ganze Welten entstehen und wieder zerfallen, müssen im Zeitgefühl der „Bewohner“ doch erdgeschichtliche Maßstäbe anhaften.
Oder nicht ?
Und das Zebra, in dessen Herzen z.B. wir durch eine Steppe galoppieren, macht dieses nur einen Schritt nach vorne, für das Zebra weniger als eine gefühlte Sekunde, aber währenddessen läuft unsere gesamte Geschichte vom Urknall bis zum wieder Verschwinden in einem schwarzen Loch?
Einmal, hundertmal, unendliche Male?
Und nicht nur im Herzen des Zebras, was ja nur ein Beispiel ist, auch in seinem Fuß, in jedem Haar und seinen Exkrementen?
Soll das alles Humbug sein, Ideen eines total Bekloppten?
Aber alles was vorstellbar ist, ist ja wohl auch möglich, solange die Unmöglichkeit nicht bewiesen ist, wie an der Existenz von Zeus, Osiris, Poseidon, Manitu und all den anderen in vielen Köpfen ja auch kein Zweifel bestand, obwohl es nie bewiesen wurde.
Und wenn nicht nur alle Dinge, auch alles Gedachte und Gefühlte in jeder Zelle Platz hat, dann ja nicht nur alle Götter und Götzen, sondern auch der Glaube daran.
Sowie jede Regung jedes Atheisten hier genauso sein Plätzchen hat.
Mein Kopfkarussel fing an weh zu tun, mir wurde schwindlig, aber bevor sich mein Wunsch erfüllte, dass unsere Erde doch bitte, bitte wieder ein Scheibe sei, schlief ich ein.